Die Gründer von Holoride

Holoride macht das Auto zum VR-Spielplatz – zumindest für die Mitfahrer

Von Stefanie Müller.

Was tun auf langen Autofahrten? Aus dem Fenster schauen? Auf Dauer zu öde. Ein Buch lesen? Vielen wird dann übel. Das Münchner Start-up Holoride hat dafür jetzt eine Lösung: Eine In-Car-VR-Plattform, die Autofahrten auch für Beifahrer zum Erlebnis machen. Langeweile adé.

Eine junge Frau sitzt auf der Rückbank eines Autos und schaut gleichgültig aus dem Fenster. „Sind wir bald da?“, ist offenbar die Frage, die sie sich stellt. Doch dann greift sie zur Virtual-Reality-Brille neben sich, setzt sie auf und befindet sich plötzlich mitten in einem Spiel. Das Auto scheint sich nicht mehr durch die Stadt zu bewegen, sondern fährt mitten durch eine bunte Fantasiewelt, in der blau-weiße Küken leben. Stoppt das Fahrzeug in der Realität, hält auch das Auto in der Virtual Reality an. Die Beifahrerin kann die Fantasiewelt aber nicht nur passiv erleben. Mit einem Controller kann sie die Küken beispielsweise markieren und pro Treffer Punkte einsammeln – so stellt Holoride seine VR-Plattform in einem Imagefilm vor. Das junge Unternehmen verbindet mit seiner Technologie Fahrzeugdaten analog zu den Inhalten des Spiels. Für die Beifahrer wirkt das Spiel daher umso realer. Jede Kurve, jedes Stoppen und Beschleunigen werden in das Spiel übertragen und beeinflussen das Erlebnis in der virtuellen Realität.


Die Fahrt zum Erlebnis machen

Jeden Tag sind unzählige Menschen in Fahrzeugen unterwegs. Für die Beifahrer sind die Wege oftmals ungenutzte Zeit und daher ein notwendiges Übel. Außerdem leiden einige an der Reisekrankheit. Betroffenen wird beim Lesen oder beim Blick auf das Smartphone unwohl, wenn sie sich im fahrenden Auto befinden. Die Sinneseindrücke kommen durcheinander, weil die Augen Stillstand vermelden, der Gleichgewichtssinn aber Bewegungssignale an das Gehirn sendet. „Bei unserer Technologie laufen visuelles und gefühltes Erlebnis synchron – das reduziert die Reiseübelkeit deutlich und ermöglicht den Passagieren eine erlebnisreiche Fahrt“, erläutert Nils Wollny, CEO bei Holoride.

Seine Technologie verwendet Echtzeit-Daten, die Auskunft über Position, Geschwindigkeit, Lenkung sowie das Brems- und Beschleunigungsverhalten des Fahrzeugs geben. Diese Informationen verknüft das System mit hochimmersiven Darstellungstechnologien wie Virtual-, Mixed- oder Augmented Reality. Die Holoride-Technologie kann außerdem Daten aus dem Navigationssystem auswerten und so zum Beispiel die Länge des Inhalts an die voraussichtliche Fahrzeit anpassen.

„Wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzte, diese neue Form von Entertainment zeitnah und umfangreich am Markt zu etablieren“, sagt der CEO. Wollny und sein Team gehen davon aus, dass der Markt reif ist für die Holoride-Plattform. Ride Hailing, bei denen man Beifahrer ist und nicht am Lenkrad sitzt, also Unternehmen wie Uber würden schon heute jeden Tag 50 Millionen Fahrten absolvieren. Zudem soll das autonome Fahren den Markt in Zukunft weiter beflügeln, hoffen zumindest die Münchner.

Hinter dem Start-up steckt der Autobauer Audi, der auch eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen hält. Wollny und seine beiden Mitgründer Marcus Kühne und Daniel Profendiner haben zuvor beim Autobauer gearbeitet, bevor sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagten. „Die ein oder andere schlaflose Nacht hat uns die Idee der Gründung beschert“, verriet Wollny gegenüber CLUTCH. Das Start-up wurde bei der diesjährigen CES in Las Vegas gelauncht. Auch ein Showcase in Zusammenarbeit mit Disney Games und Interactive Experiences wurde dort zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Team profitiert nach Aussage des CEO vom Standort in der bayrischen Hauptstadt. Dort findet man eine starke Tech-Szene vor, die sehr gut im Bereich IoT und AI aufgestellt sei. Außerdem sei die Automobilindustrie in Süddeutschland vertreten und die geografische Lage zwischen den USA und den asiatischen Märkten strategisch sinnvoll. Ein zusätzliches Office in San Francisco oder Los Angeles ist allerdings nicht ausgeschlossen, um Partnerschaften in den USA weiter auszubauen und lokal betreuen zu können, stellt Wollny in den Raum.

Mannigfaltige Einsatzmöglichkeiten

Holoride richtet sich mit seiner offenen Plattform neben Beifahrern als Endkunden vor allem an Fahrzeug- und Content-Produzenten. Diese sollen auf Basis des Software Delevopment Kit (SDK) neue Anwendungen entwickeln können. „Von interaktiven Erlebnissen wie Games bis hin zu eher edukativen Formaten wie einer historischen Stadtfahrt ist alles denkbar“, sagt Wollny. „Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.“

Dieser Text ist Teil der neuen Serie #TechMadeInGermany
Bislang erschienen sind dabei unter anderem Stücke über Lilium, ApiOmat, Raisin und Showheroes.

(Beitragsbild:. Holoride)

Clutch-Redaktion