Digitale Gesundheit: Das waren 2020 die wichtigsten Trends bei E-Health-Apps

Noch nie wurde so viel über das Thema Gesundheit gesprochen, wie im Pandemiejahr 2020. Und noch nie war gleichzeitig Digitalisierung so wichtig. Kein Wunder also, dass Gesundheits-Apps boomen. Eine Datenanalyse von Strategie& (Pricewaterhouse Coopers) zeigte bereits im Mai: 20,4 Millionen Deutsche nutzen solche Programme, 16 Prozent mehr als noch im Vorjahr – Tendenz steigend. Auf dem Markt gibt es dabei nichts, was es nicht gibt: Von Fitness-Apps bis hin zu Angeboten, die bei Tinnitus helfen sollen. Wir zeigen Ihnen die Trends, die 2020 besonders wichtig waren – und auch 2021 prägen werden.

Apps, die helfen, gar nicht erst krank zu werden

Vor einigen Jahren waren viele Deutsche noch ziemlich skeptisch gegenüber digitalen Gesundheits-Anwendungen. Dies hat sich geändert: So kommt eine Bitkom-Studie zu dem Ergebnis, dass heutzutage dreiviertel der Smartphone-Besitzer mindestens eine frei verfügbare App installiert haben, die im weitesten Sinne mit Gesundheit zu tun hat. Besonders beliebt sind dabei solche Programme, die der Prävention dienen. Dazu gehören Fitness- und Ernährungs-Apps wie MyFitnessPal (laut kvappradar mit über 50 Millionen Downloads), Programme, die den Schlaf tracken wie Calm (über 10 Millionen Downloads) oder den Puls messen wie Instant Heart Rate (über 10 Millionen Downloads). Die Plattform HealthOn fand heraus, dass mehr als ein Drittel (37,2 Prozent) aller App-Angebote unter dieses Segment fallen und hier auch mit Abstand die meisten Downloads stattfinden (89,6 Prozent). Apps aus dem Bereich Selbstmanagement z.B. bei chronischen Krankheiten, Therapie, Diagnose oder konkreter Krankheitsfall sind dagegen weit abgeschlagen. Noch muss man sagen.

Die App auf Rezept

Ende 2019 verabschiedete der Bundestag auf Initiative von Gesundheitsminister Jens Spahn das Digitale-Versorgungs-Gesetz (DVG). Dies legte den Grundstein einerseits dafür, dass Ärzte geprüfte und zertifizierte Apps auf Rezept, sogenannte digitale Gesundheitsanwendungen, kurz: DiGA, verschreiben dürfen. Gleichzeitig bekommen dadurch 73 Millionen gesetzlich Versicherte Zugang zu digitalen Medizinprodukten. Viele Experten vermuten schon jetzt, dass dies weniger ein Trend als vielmehr der Beginn einer neuen Ära an digitaler Gesundheitsversorgung sein wird.

Die Programme mit Apps im klassischen Sinne zu vergleichen ist allerdings irreführend. Der Gesetzgeber sowie Ärzte und Anbieter sprechen lieber von digitalen Gesundheitsanwendungen, weil sich dahinter keine Lifestyleprodukte, sondern geprüfte und als Medizinprodukt zertifizierte Anwendungen verbergen.

Seit Oktober 2020 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mittlerweile neun solcher DiGA zugelassen (Stand Dezember 2020). Darunter sind Behandlungen gegen Angst (Invirto), Adipositas (Zanadio) und Tinnitus (Kalmeda). Mindestens weitere 13 werden derzeit geprüft. Darunter die digitale Psychotherapie von HelloBetter, mysugr gegen Diabetes oder Perfood, eine Migränetherapie. Patienten nehmen diese neuen Möglichkeiten gerne an. Laut der Bitkom-Studie wollen vier von zehn Patienten ihre Ärzte aktiv nach den „Apps auf Rezept“ fragen. Fast jeder Dritte gibt sogar an, dass er glaubt, dass DiGA konventionelle Therapien ersetzen werden.

Frauen als neue Zielgruppe

Es gibt einen weiteren klaren Trend bei Gesundheits-Apps. Denn die Branche hat eine neue Zielgruppe entdeckt: Frauen. Eine aktuelle Studie des Robert-Koch-Instituts belegt, dass diese oft gesundheitsbewusster als Männer sind. Dies schlägt sich auch in der Nutzung der Smartphone-Programme nieder. Experten schätzen bereits jetzt, dass der sogenannte FemTech-Markt bis 2024 auf 9 Milliarden Dollar anwachsen soll. Eine der beliebtesten Gesundheits-Apps mit 50 Millionen Downloads ist dabei der Menstruationskalender. Auch Programme zum Thema Schwangerschaft erfreuen sich großer Beliebtheit: Einige von ihnen wurden nach Angaben der Plattform kvappradar bereits über 10 Millionen heruntergeladen.

Ausblick auf 2021

Die drei Themen Prävention, DiGA und Frauen werden aller Voraussicht nach auch 2021 wichtig für den Markt sein. Und die nächsten Neuerungen sind bereits greifbar. Die Bundesregierung plant ein Gesetz, um auch in der Pflege digitale Anwendungen nutzen zu können, sogenannte DiPAs. Und nächstes Jahr wird in Deutschland das elektronische Rezept eingeführt. Dieses können Patienten dann per Smartphone in der Apotheke einlösen – natürlich mit einer App.  

Hinweis in eigener Sache: Die PR-Agentur Frau Wenk, deren Geschäftsführerin Andrea Buzzi auch Herausgeberin von Clutch ist, betreut mit ihrer Unit The Medical Network verschiedene Kunden aus der E-Health-Branche, darunter auch HelloBetter und Sympatient.


Clutch-Redaktion