Werte-Index 2020

Von wegen Greta-Effekt: Gesundheit, Familie, Erfolg liegen im Werte-Index 2020 vorn – das bewegt das Social Web

In den sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook & Co. aber auch in öffentlichen Foren geht es häufig hoch her. Verschiedene Meinungen treffen aufeinander und werden diskutiert. Doch welche Werte haben die User? Dieser Frage geht der Werte-Index nach. Derzeit sind Gesundheit, Familie und Erfolg die drei wichtigsten Werte. Natur fällt überraschend von Rang eins auf Rang sieben und Nachhaltigkeit bildet das Schlusslicht der Top Ten.

Der von Professor Wippermann und Bonsai-Chef Jens Krüger gemeinsam mit dem Forschungsteam von Kantar und dem Trendbüro veröffentlichte Werte-Index 2020 zeigt im Abstand von zwei Jahren, wie häufig und in welchem Zusammenhang zehn grundlegende Werte in den deutschsprachigen Social Media diskutiert werden. „Der Werte-Index ordnet ein und gibt Orientierung für die, die sich der Herausforderung des Wandels stellen wollen“, sagt Krüger. Der Report zeige zudem auf, wo sich unsere immer schneller drehende und digitaler werdende Gesellschaft hinbewegt. Nach den Beobachtungen der vergangenen Jahre, in denen die Gespräche immer privater und alltäglicher wurden, zeichnet sich nun eine klare Trendwende ab, so die Herausgeber. Die sozialen Medien sind vermehrt Raum für öffentliche Diskussionen. Für den Index wurden mehr als drei Millionen öffentlich zugängliche Postings in den sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook, Instagram und anderen Foren ausgewertet.

Gesundheit an der Spitze

Gesundheit war schon immer ein wichtiger Wert und landet erneut auf Rang eins. Zu den am häufigsten diskutierten Themen zählen momentan die Selbstdiagnose und -therapie. Der persönliche Austausch über konkrete Diagnosen und Therapien spielt wieder eine wichtigere Rolle als zuletzt. Die Forscher beobachteten zudem, dass der Austausch praxisorientierter ist und auch Gesundheitsgefahren häufiger als in der Vergangenheit diskutiert werden.

An zweiter Stelle steht Familie. Erneut ein wichtiger Wert im Ranking. Als besonders wichtige Gesprächsthemen werden alltägliche, aber als kostbar wahrgenommene Momente mit der eigenen Familie zelebriert. Auch Konfliktpotenziale innerhalb von Familien werden besprochen. Im Vordergrund stehen laut Index Verluste von Familienangehörigen oder -beziehungen. Erfolg hat zudem im diesjährigen Ranking an Bedeutung gewonnen und klettert von Rang sechs auf Rang drei. Die Themenlage dreht sich hier hauptsächlich darum, worin man erfolgreich ist.

In Zeiten von globalen Protesten und Greta Thunberg verwundert es doch etwas, dass Natur und Nachhaltigkeit nur auf Rang sieben beziehungsweise zehn stehen und damit zu den Absteiger-Werten des diesmaligen Indexes zählen. Allerdings beobachteten die Forscher, dass es in der aktuellen Kommunikation um kritische und politische Wortmeldungen geht, während diese Werte zuvor eher mit dem Schönen, Wahren und Ursprünglichen in Verbindung gebracht wurden.

Werte dienen als Anhaltspunkte für Unternehmen

„Die Natur hat ihre Natürlichkeit als reinen Marketingkontext verloren und ist nun Teil einer breiteren politischen und gesellschaftlichen Diskussion, die weniger in Social-Media stattfindet. Gleichzeitig blickt die Generation Z hinter die Lifestyle-Fassade und führt eine aktive Diskussion um die Werte von Morgen, der sich Politik und Wirtschaft nicht entziehen können“, sagt Herausgeber Jens Krüger. „Diese Consumer Generation schafft heute die Basis, auf der sie Unternehmen und Marken zukünftig an ihrer Echtheit und ihrer Haltung messen werden.“

Weniger Lifestyle, mehr Politik

Insgesamt zeigt der Index auf, dass sich die Diskussionsinhalte im Social Web weniger um Lifestyle und mehr um Politik drehen. Die Analyse zeigt ein höheres Level an kritischen und reflektierenden Meinungsäußerungen. „Die jüngeren Generationen verfolgen andere Ziele als die Generationen davor, sie erwarten einen anderen Sinn hinter politischen oder gesellschaftlichen Entscheidungen“, erläutert Trendforscher und Herausgeber Peter Wippermann den aktuellen Generationenkonflikt. „Aber für alle, die etwas besser machen wollen, sind es jetzt gute Zeiten.“

(Beitragsbild: Foto vom Cover)

Clutch-Redaktion