Gefahr für Werbetreibende: Wie sich Unternehmen vor Ad Fraud schützen können


Es ist wohl der Albtraum eines jeden bzw. jeder Werbetreibenden: Ad Fraud. Oder auf Deutsch: Betrug beim Ausspielen von Online-Werbung. Die Betrüger:innen vermitteln den Werbetreibenden zum Beispiel, dass sie Werbung regulär ausgeliefert hätten und reichlich Klicks von interessierten Nutzer:innen erfolgt wären. Tatsächlich aber wurden die Klicks auf andere Weise generiert – zum Beispiel durch Bots.

Studien zeigen die große Gefahr, die vom Ad-Betrug ausgeht. So ergab der State-of-Mobile-Ad-Fraud-Report der SaaS-Plattform AppsFlyer, dass Werbetreibende im Bereich App-Marketing im Zeitraum von Januar 2022 bis Februar 2023 einen Schaden in Höhe von 5,4 Milliarden Dollar hätten erleiden können, wenn sie keinen Betrugsschutz gehabt hätten.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Wenn nach Budgetkürzungen weniger Geld zur Verfügung steht, tendieren Werbetreibende dazu, günstigere Werbenetzwerke in Anspruch zu nehmen. Doch gespart wird damit auch gleich beim Schutz vor Ad Fraud, denn unter den günstigen Netzwerken gibt es auch welche, die bei der Platzierung „kreativer“ sind und ein höheres Risiko in Kauf nehmen.

Welche Formen von Ad Fraud gibt es?

Die Ur-Form sind die manuellen Klicks. Diese sind allerdings alles andere als zeitgemäß, da sie viel Zeit und Aufwand erfordern. Hierbei klicken die Betrüger:innen einfach selbst immer wieder auf die Anzeigen und ermuntern Freund:innen und Bekannte, sie dabei zu unterstützen.

Als etwas professioneller gelten Klickfarmen – dahinter stehen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter:innen beauftragen, die Anzeigen anzuklicken.

Aktuell das Mittel der Wahl der Betrüger: Klickroboter, die die Klicks automatisch erledigen.

Die nächste Stufe bilden Botnetze, bei denen eigentlich Unbeteiligte involviert werden. Schadsoftware wird auf Servern oder Computern platziert; von den Nutzer:innen der Computer werden, ohne dass sie es merken, Klicks generiert. Das Perfide: Die Klicks kommen von verschiedenen IP-Adressen. Das erschwert es, einen Betrug nachzuweisen.

Dann gibt es noch das Ad-Stuffing. Hierbei werden zwar Werbeanzeigen vom Publisher eingebaut. Doch Nutzer:innen können diese gar nicht erkennen. Die Manipulation von Seiten, sodass Werbung nicht angezeigt wird, wird auch als Site Fraud bezeichnet.

Unterstützung beim Kampf gegen Ad Fraud

Gefahren gibt es also zur Genüge. Doch die gute Nachricht: Werbetreibende, die Ad Fraud befürchten, können sich schützen. Auch aus Deutschland bieten Unternehmen Unterstützung an.

Fraud0

So zum Beispiel Fraud0. Dabei handelt es sich um ein KI-Cybersicherheitsunternehmen mit Sitz in München, das von Software-Investoren und Serienunternehmern aus Europa unterstützt wird. Fraud0 hilft Online-Unternehmen dabei, sogenannten Invalid Traffic, also Klicks oder Ad Impressions, die ohne menschliche Absicht generiert wurden, zu erkennen und zu verhindern. Als seine Mission nennt Fraud0, Unternehmen mithilfe von Bot-Erkennungs- und Blockierungslösungen vor den Auswirkungen von unter anderem gefälschten Anzeigenklicks durch Bots zu schützen. Sie sollen in die Lage versetzt werden, datengestützte Entscheidungen auf der Grundlage zuverlässiger Informationen zu treffen.

Dass aktuelle Entwicklungen den Ad-Fraud-Bereich beeinträchtigen werden, hat Fraud0 erkannt. In einem aktuellen Blog-Artikel auf der Website von Fraud0 geht Autor Denis Kargl auf die Gefahren, die durch den Einsatz künstlicher Intelligenz entstehen, ein. Er kommt zu dem Schluss, dass KI Betrüger:innen ihre Machenschaften erleichtern wird. Kargl rechnet mit mehr Propaganda- und Desinformationskampagnen, besseren Phishing-Kampagnen und allgemein mehr Fake-Websites – keine guten Nachrichten für Werbetreibende, die sich aber diesem Problem stellen müssen.

Integral Ad Science

Ein weiteres Unternehmen, das auf den Ad-Fraud-Bereich spezialisiert ist, ist Integral Ad Science (IAS), das seinen Sitz in New York hat. Integral Ad Science hat Niederlassungen in Berlin und Hamburg und für sich als Mission definiert, der globale Maßstab für Vertrauen und Transparenz in der digitalen Mediaqualität für Marken, Publisher und Plattformen zu werden. Erreicht werden soll dieses Ziel durch datenbasierte Technologien mit einsatzfähigen Echtzeit-Signalen und Insights.

Integral Ad Science sorgte zuletzt für Aufmerksamkeit, als es im April noch einmal seine Expertise in Bezug auf CTV- und OTT-Medieneinkäufe hervorhob. IAS ist nämlich einer der ersten Mediaqualitätspartner, die Messungen hinsichtlich Viewability und Invalid Traffic beim Streaming-Anbieter Netflix durchführen. Ziel der Maßnahmen von IAS soll sein, dass die Werbung von echten Zuschauer:innen in einer betrugsfreien Umgebung gesehen wird. Dafür stellt IAS zum Beispiel eine benutzerfreundliche Reporting-Lösung bereit.

DoubleVerify

DoubleVerify ist ebenfalls ein Unternehmen, das im Kampf gegen Ad Fraud eine wichtige Rolle spielt. Der Hauptsitz ist in New York, in Deutschland gibt es zwei Niederlassungen: eine in Berlin und eine in Düsseldorf. Wie für Integral Ad Science ist CTV auch für DoubleVerify ein Bereich, in dem das Unternehmen seine Stärken ausspielen kann. So machte Anfang März die Nachricht die Runde, dass DoubleVerify der Verifizierungspartner für Werbekampagnen in Connected TV (CTV) auf Samsung-TVs wird. Für Werbetreibende war das eine gute Nachricht: Sie können so auf mehr als 46 Millionen Samsung-Smart-TV-Geräten nicht nur die Qualität, sondern auch die Viewability ihrer Video- und CTV-Kampagnen überprüfen.

epicinsights

In Jena hat das Unternehmen epicinsights seinen Sitz. Es hat sich auf IT-Services und IT-Consulting spezialisiert und stellt auf seiner Website in einem Beitrag verschiedene Formen von Ad Fraud vor. Neben den oben bereits beschriebenen Formen des Klickbetrugs gibt es zum Beispiel auch Lead Fraud. Hierbei betrügt der Lead-Anbieter, indem er die Art und Weise, wie ein Lead generiert wird, falsch darstellt. Er kann zum Beispiel das Lead-Alter oder die Website-Herkunft verfälschen. Bei Impression Fraud geht es darum, dass geschaltete Werbeanzeigen nicht an die relevante Zielgruppe ausgeliefert, die Impressions aber trotzdem gezählt werden.

Lösungen sieht epicinsights zum Beispiel im Bereich Machine Learning, da Machine-Learning-Algorithmen zeitsparender und genauer arbeiten. Sie können eine große Menge an Daten in Echtzeit analysieren, verarbeiten und die gefundenen Aktionen sofort auswerten. Ad-Fraud-Aktivitäten lassen sich damit schneller identifizieren als bisher. Ein weiterer Vorteil von Machine Learning: Die Modelle verbessern sich mit zunehmenden Datenmengen und arbeiten effektiver. Betrügerische Aktionen können damit auch für die Zukunft vorhergesagt und blockiert werden.

Dass Ad Fraud eine Bedrohung für Werbetreibende darstellt, steht außer Frage, insbesondere vor dem Hintergrund des wachsenden Einflusses von KI. Unternehmen, die werben, sollten wachsam bleiben und Expert:innen zurate ziehen, die ihnen im Kampf gegen Ad Fraud helfen können.

Clutch-Redaktion