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“Supplier Diversity rückt durch Globalisierung und Digitalisierung in den Fokus”

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Vielfalt ist wichtig. Für die Gesellschaft und das Miteinander, im Privatleben wie im Beruf. Damit das gelingen kann, müssen auch kleinste Rädchen gedreht werden. Im Zuge der Globalisierung geschieht das Räder-Drehen zwar beinahe von selbst, dennoch gibt es hier und da Nachholbedarf. Zum Beispiel in der Lieferkette der Unternehmen. Die „Supplier Diversity“, wie dies international hin genannt wird, soll die Vielfalt innerhalb der Lieferkette fördern. Damit das auch in Deutschland zunehmender Bestandteil der Unternehmenskulturen wird, setzt sich der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) in Zusammenarbeit mit der US-Organisation WEConnect International für eine offizielle Zertifizierung von Unternehmen ein, die Diversität fördern. Was das bedeutet und wie die Umsetzung gelingt, erklärt Evelyn de Gruyter, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes deutscher Unternehmerinnen, im Gespräch mit Clutch.

Der Begriff der Supplier Diversity ist hierzulande wenig geläufig. Was hat es damit auf sich?

De Gruyter: Supplier Diversity bedeutet Vielfalt in der Lieferkette. Multinationale Konzerne haben erkannt, dass nicht nur Vielfalt innerhalb des Unternehmens, sondern auch eine diversifizierte Lieferkette Innovationen und damit den wirtschaftlichen Erfolg fördert. In ihren Supplier-Diversity-Programmen verpflichten sich die Konzerne, gezielt Produkte und Dienstleistungen von „diversen“ Unternehmen zu beziehen, und veröffentlichen dies auch in ihren Geschäftsberichten. Dabei geht es um die Inklusion von unterdurchschnittlich repräsentierten Gruppen, wie zum Beispiel Frauen, ethnischen Minderheiten oder Menschen mit Behinderungen. Supplier Diversity ist ein Thema, das international bereits einen hohen Stellenwert hat, in Deutschland aber noch in den Kinderschuhen steckt. Durch die zunehmende Globalisierung und Digitalisierung rückt es aber auch hierzulande mehr und mehr in den Fokus.

Dafür arbeiten Sie eng mit WEConnect International zusammen. Wann entstand die Zusammenarbeit?

De Gruyter: WEConnect International ist eine global agierende Mitgliederorganisation, die in den USA gegründet wurde und frauengeführte Unternehmen mit internationalen Konzernen zusammenbringt. Das Zertifizierungssiegel von WEConnect International dient als offizielle Garantie für Einkäufer, dass sie Produkte und Dienstleistungen von einem frauengeführten Unternehmen erwerben. Die Zusammenarbeit mit WEConnect International ist durch unser internationales Netzwerk entstanden. Als Mitglied des Weltdachverbands Les Femmes Chefs d’Entreprises Mondiales steht der Verband deutscher Unternehmerinnen im branchenübergreifenden Kontakt mit Unternehmerinnen aus mehr als 120 Ländern. Bereits 2011 gab es die ersten Gespräche, da wir als Verband sofort die Chancen für Unternehmerinnen erkannt haben. Gemeinsam mit WEConnect International arbeiten wir seitdem daran, das Konzept der Supplier Diversity in Deutschland bekannt zu machen und das Bewusstsein für das Thema zu fördern. Seit Mai 2017 zertifiziert der VdU exklusiv für WEConnect International wachstumsorientierte, frauengeführte Unternehmen in Deutschland, die Geschäftsabschlüsse mit großen Konzernen anstreben. Wir freuen uns, dass wir mit der Agentur Frau Wenk die erste PR-Agentur in der DACH-Region zertifizieren konnten und beglückwünschen Frau Buzzi und ihrem Team zu diesem richtungsweisenden Schritt. [Anmerkung der Redaktion: Frau Wenk ist Herausgeber von Clutch.]

Weshalb ist die Förderung der Supplier Diversity für den VdU so wichtig?

De Gruyter: Die wirtschaftliche Stärkung von Frauen entlang der Lieferkette ist ein wichtiges Instrument zur Förderung des weiblichen Unternehmertums und zur Hebung des ökonomischen Potenzials der Frauen. Seit seiner Gründung 1954 gibt der Verband deutscher Unternehmerinnen den Frauen in der Wirtschaft eine Stimme und setzt sich dafür ein, mehr Frauen für die unternehmerische Selbständigkeit zu gewinnen, frauengeführte Unternehmen zu stärken und auch im Management mehr Frauen in unternehmerische Führungsverantwortung zu bringen. Darüber hinaus fordern wir von der Politik Rahmenbedingungen, die den Wandel der Gesellschaft zur gleichberechtigten Teilhabe von Männern und Frauen in der Wirtschaft unterstützen, wie zum Beispiel bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Beseitigung von steuerlichen Negativanreizen für die Erwerbstätigkeit.

Und was halten Sie dann von der Frauenquote?

De Gruyter: Als einziger Wirtschaftsverband hat sich der VdU im Rahmen der Berliner Erklärung 2011 für eine verbindliche Quote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten der börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen eingesetzt. Selbstverständlich ist unser Verband kein Befürworter von regulativen Eingriffen in die unternehmerische Freiheit und daher auch gegen eine Quote in operativen Organen, aber wir wollen sichtbar machen, was bisher verborgen war, und erreichen, dass Frauen ihre Fähigkeiten und Kompeten­zen genauso in verantwortlichen Positionen einbringen können wie Männer. Quote und Qualifikation sind keine Gegensätze. Die Quote ist nur ein anderer Zugang zu qualifiziertem Personal. Wir treten seit jeher für eine stärkere Präsenz von Frauen in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft ein und bieten bereits seit 2010 Seminare zur Vorbereitung auf ein Aufsichtsratsmandat an und unterstützen Unternehmen bei der Suche nach geeigneten Aufsichtsratskandidatinnen.

Vielen Dank Frau De Gruyter!

Das Interview führte Svenja Tasch

(Beitragsbild: VdU)