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Was ist eigentlich ein Cyborg, Herr Labus?

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Jens-Peter Labus (56) ist eigentlich Geschäftsführer der IT Solutions von Media Markt Saturn. Seit einigen Monaten ist er aber auch Chief Cyborg Officer des Unternehmens und trägt neuerdings ein digitales Implantat in der Hand, auf dem sich Daten speichern lassen. Er sieht sich selbst als Early Adopter und will auch die Mitarbeiter für Technologie begeistern. Wir sprachen mit Peter Labus über neue Technologien, die Digitalisierung und das Implantat.

Herr Labus, was bedeutet Cyborg genau?

Labus: „Das Wort Cyborg setzt sich aus „Cyber”, also digital, und „Org” für Organismus zusammen. Soweit die nüchterne Definition. Es geht also um das Zusammengehen eines Organismus, einem Menschen, mit irgendetwas Digitalem.“

Jens-Peter Labus Geschäftsführer der IT Solutions von Media Markt Saturn.
Jens-Peter Labus ist Chief Cyborg Officer von Media Markt Saturn (Bild: Media Markt Saturn)

Und wie viel Cyborg steckt in Ihnen?

Labus: „Ich bin sowohl digital als auch analog. Das Digitale ist das Implantat und das Analoge ist eine künstliche Linse in meinem Auge. Warum ich letzteres gemacht habe? Weil ich ein Leben ohne Brille führen möchte. Dafür wurde die echte biologische Linse herausgenommen und durch eine speziell für mich angefertigte Kunststofflinse ersetzt. Im Prinzip ist dies ein Human-Upgrade. Ich kann inzwischen Dinge tun mit meinem Körper, die wären vor dreißig Jahren noch nicht möglich gewesen, weil es die Technologie noch nicht hergab. Ich frage mich dann: Wie sieht es in zehn weiteren Jahren aus? Die Linse könnte dann intelligent sein, im Sinne von smart. Man könnte sie vielleicht von außen steuern, damit sie bestimmte Eigenschaften annimmt. Eine interessante Eigenschaft wäre zum Beispiel die Funktion Sonnenschutz. Man wird nicht mehr geblendet und müsste keine Sonnenbrille mehr aufsetzen. Oder man integriert ein Nachtsichtgerät. Dann fängt es an, richtig Spaß zu machen. Wenn es mit bestimmten Technologien möglich sein wird, dass wir uns Menschen und das, was wir biologisch mitbekommen haben, verbessern. Das ist etwas, was mich absolut fasziniert.“

Und das Implantat in der Hand. Wozu ist das gut?

Labus: „Seit ich das Implantat habe werde ich oft drauf angesprochen. Es ist für mich der Aufhänger, um mit Menschen ins Gespräch über Innovation und Technologie zu kommen. Ansonsten habe ich einige Personeninformationen darauf gespeichert, die beim Auslesen des Implantats abgerufen werden können. Da ist aber nichts dabei, was in meine Privatsphäre reingeht. Die verfügbaren Informationen lassen sich zum Beispiel auch auf meinem LinkedIn-Profil finden oder auf meiner Visitenkarte – also alles Dinge, von denen ich sage, das ist unkritisch, die kann ich öffentlich zur Verfügung stellen.“

Tat die Implantierung weh?

Labus: „Ja, ich wusste vorher, dass es wehtun wird. Die ersten paar Sekunden hat es dann auch ordentlich gezwickt, aber dann war es auch schon fast vorbei. Es fühlte sich in etwa an wie ein Stich mit einer normalen Spritze  – nur mit einer größeren Kanüle. Das Implantat muss ja irgendwie dadurch. Das geschieht mit etwas Flüssigkeit. Ich glaube, das Implantat ist kleiner als ein Reiskorn.“

Kann man das Implantat von außen ertasten?

Labus: „Ja, kann man. Das Implantat liegt etwa drei bis vier Millimeter unter der Haut. Wenn ich darauf schaue, kann ich es nicht sehen, mit dem Finger kann man es aber ertasten.“

Welche Technologie wurde verbaut?

Labus: „Das Implantat enthält einen NFC- und einen RFID-Transponder. Sie senden nicht selbst Informationen, es können aber Daten abgerufen werden. Das funktioniert zum Beispiel mit einem NFC-fähigen Android-Telefon.“

Wie hat Ihr persönliches Umfeld auf das Implantat reagiert?

Labus: „Viele waren sehr interessiert. Eine meiner Töchter hat sich dann auch ein Implantat einsetzen lassen und fragt, wann wir unser Hausschließsystem auf dieses System umstellen. Wir haben uns jetzt darauf geeinigt, dass wir es mit dem Garagentor ausprobieren, sofern es da eine Mischform aus Schlüssel und Implantatlösung gibt.“

Welche Technologien sind aktuell am stärksten im Kommen?

Labus: „Prognosen sind immer etwas schwierig. Ich denke, wir werden zunächst Fortschritte im Bereich künstliche Intelligenz sehen. Roboter und Drohnen sind auch Bereiche, in denen sich viel bewegt. Auch alles was autonome Transportwege anbelangt, da werden wir in den nächsten Jahren noch viel sehen. Ich könnte mir außerdem auch vorstellen, dass sich in den nächsten zehn Jahren noch etwas tun wird in Sachen Human Upgrades. Letztlich ist ja schon eine Augmented-Reality-Brille nichts anderes als ein Upgrade unserer Seh-Fähigkeiten.“

Welche Technologien möchten Sie demnächst noch ausprobieren?

Labus: „Alles im Bereich Körper und Implantate finde ich sehr spannend. Da kommen wir allerdings in einem Bereich, der in Deutschland schwierig ist. Selbst beim Implantat gab es schon kritische Stimmen. Einige haben gesagt, das ist doch wie bei den Borg von Raumschiff Enterprise. Menschen arbeiten viel mit solchen Bildern aus der Popkultur und beurteilen solche Situationen nach solchen Science-Fiction-Visionen. Ich finde, man muss einfach darüber reden, dann kann sich auch die Einstellung der Kritiker hierzu ändern. Außerdem ist es doch so: Freiheit und Verantwortung, so etwas zu tun und auszuprobieren, liegen bei mir, aber eben auch das Risiko.“

Wie werden Unternehmen fit für die Digitalisierung?

Labus: „Es geht viel um Geschwindigkeit. Egal wie schnell man meint unterwegs zu sein, und das würde ich jedem Unternehmen sagen, es reicht nicht. Als Kunden nehmen Menschen diese Veränderung und deren Geschwindigkeit als umfassenden Gewinn wahr, als Mitarbeiter macht sie ihnen aber auch Sorgen. Da ist es an uns Führungskräften, Wege aufzuzeigen, um sich in der dynamischen Welt zurechtzufinden.“

Macht Sie Digitalisierung glücklich?

Labus: „Natürlich macht mich die Digitalisierung glücklich, gar keine Frage. Nehmen wir zum Beispiel eine Taxifahrt. Die Taxi-App befindet sich auf meinen Smartphone und hierüber fordere einen Wagen an. Auf einer Karte kann ich sehen, wo Taxen in meinem Umfeld sind. Ich werde informiert, wann das Auto da ist. Der Fahrer kennt beim Einsteigen bereits meinen Namen und weiß, dass ich die Fahrt gebucht habe und wo ich hin möchte. Auch der Bezahlvorgang erfolgt ganz automatisch, weil in der App meine Kreditkarteninformationen hinterlegt sind. Die Abrechnung erhalte ich nach Ende der Fahrt per E-Mail in mein Postfach. Kein Kramen mehr nach Geld, keine Quittung und auch keine Kreditkarten, für die der Fahrer ein Lesegerät braucht. Das ist doch toll, einfacher geht es kaum.“

Clutch hat den Selbstversuch gewagt und einen der Redakteure in ein Implantationsstudie geschickt. Lesen Sie in der kommenden Printausgabe, wie es ihm ergangen ist. Clutch #2 kann übrigens hier bestellt werden. Erscheinungstermin ist der 13. September 2017.

Das Interview führte Stefanie Müller.

(Beitragsbild: Media Markt Saturn)

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