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Was die Digitalisierung mit Kindern gemein hat

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Barbara Wegmann ist bereits über 20 Jahre im IT-Geschäft. Seit Juni 2016 verantwortet sie als Head of Media den Bereich Medien bei Dropbox Deutschland. Wir haben sie in Hamburg getroffen und mit ihr über digitale Innovation gesprochen.

Dropbox wurde gerade von Forbes zu den 100 heißesten Cloud-Computing-Unternehmen gekürt. Worin besteht die Herausforderung für Dropbox am Markt?

Wegmann: Viele Chefs in Unternehmen denken, Digitalisierung sei das Einführen neuer Technologien. Dem ist nicht so. Es braucht den Faktor Mensch und genau da liegt aktuell noch der Engpass. Für Cloud-Computing-Anbieter ist das Umdenken in den Unternehmen die größte Herausforderung.

Wenn man sich die Forbes-Liste der Top 100 Cloud-Computing-Unternehmen ansieht, haben viele dieser Unternehmen einiges gemeinsam. Sie wurden von Leuten um die 30 gegründet, werden von einem Team geführt und hinter allen steht eine coole Idee, die das Leben der Anwender einfacher machen soll. Sie denken zuerst gar nicht in Produkten, die Umsatz machen. Zuerst geht es wirklich um die Ideen, die meist direkt aus dem Alltag heraus entstehen. So war es bei Dropbox auch. Drew Houston, einer unserer Gründer, war mit dem Bus auf dem Weg nach Boston zum MIT und wollte an seiner Arbeit weiterschreiben, doch er hatte seinen USB-Stick vergessen. So saß er im Bus, weit weg von der Unibibliothek, und war schlichtweg arbeitsunfähig. So entstand die Idee zu Dropbox.

Wie funktioniert Innovation?

Wegmann: Früher wurde eine Abteilung für Innovation gegründet und ein Ingenieur eingestellt, der etwas erfindet. Heute finden Innovationen mehr und mehr von unten nach oben statt. Impulse kommen aus allen Unternehmensbereichen, Mitarbeiter sitzen zusammen, identifizieren ein Problem und finden dafür eine Lösung. Diese Lösung muss nicht unbedingt ein Produkt, sondern kann auch ein neues Geschäftsmodell sein.

Man muss sich nur Kinder ansehen. Sie lernen in den ersten drei Lebensjahren am meisten. Sprechen und Laufen sind extrem herausfordernde Tätigkeiten, die Kinder aus einer inneren Motivation heraus erlernen, weil sie es wollen. Sie ahmen nach und probieren es einfach aus. Wenn sie hinfallen, stehen sie wieder auf. Und wenn man das im Hinblick auf unsere digitalisierte Welt betrachtet, sind genau diese Faktoren wichtig, um die Digitalisierung erfolgreich zu meistern: Kleine Schritte gehen, einfach mal machen, hinfallen, scheitern, wieder aufstehen, korrigieren, etwas anderes ausprobieren, optimieren. Dazu gehören auch das Rollenspiel, die Interaktion und Kommunikation mit anderen. Im Prinzip bekommt man alle wichtigen Fähigkeiten schon im Sandkasten mit. Das menschliche Großwerden und die Digitalisierung haben ähnliche Mechanismen und Erfolgsfaktoren.

Wie fördert Dropbox die Innovation in Unternehmen?

Wegmann: Das größte Potenzial von Innovation und Zukunft liegt aus unserer Sicht im Menschen. Das Potenzial eines jeden einzelnen Menschen ist heute noch lange nicht entwickelt. Viele Unternehmen denken beispielsweise, Mitarbeiter werden profitabler, wenn sie nach vorgefertigten Arbeitsprozessen handeln und immer schneller arbeiten.

Wir glauben, mehr Freiheit täte Unternehmen gut. Die Firmenführung weiß nicht immer alles besser als Mitarbeiter, die an der Basis sind, die Kunden hören und alltägliche Probleme im Unternehmen lösen. Jeder Einzelne hat Ideen, die gehört und genutzt werden sollten. Diese Gedanken setzen wir mit unseren Lösungen um. Wir arbeiten daran, Grenzen aufzulösen, so dass Teams weltweit uneingeschränkt zusammenarbeiten können. Das beste Beispiel dafür ist unser neuestes Produkt Dropbox Paper. Damit können Teams in Echtzeit Ideen entwickeln und austauschen – egal, wo und wann sie arbeiten.

Wie stellen Sie sich den Arbeitsplatz der Zukunft vor?

Ich glaube, das lässt sich nicht pauschalisieren. Der Kontext ist wichtig, denn in einem Industriekonzern wird der Arbeitsplatz der Zukunft anders aussehen als in einem Krankenhaus. Wir haben heute schon Kunden, die kein festes Büro mehr haben. Die gesamte IT-Infrastruktur liegt in der Cloud, Meetings laufen virtuell ab. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass es ein Modell für alle ist. Die Mitarbeiter sollten entscheiden, welche Arbeitszeiten oder welcher Arbeitsort für sie der Beste ist, um produktiv zu arbeiten. Erst dann haben wir vollständige Flexibilität erreicht.

Sie haben zu unserem Gespräch eine Sketch Note mitgebracht. Welche Beziehung haben Sie zu Papier?

Grundsätzlich nutze ich haptisches Papier nur noch, um schnelle Skizzen – wie eben solche Sketch Notes – anzufertigen. Damit lassen sich Zusammenhänge manchmal besser darstellen. Den Zettel werfe ich direkt nach dem Gespräch wieder weg – Aktenordner und Papierablage kennen wir bei Dropbox nicht. Doch ins Altpapier kommt meine Skizze erst, wenn ich es in digitaler Form in meiner Dropbox liegt. Dort inspiriert sie mich dann auch in Zukunft.

Vielen Dank für das Interview, Frau Wegmann.

Das Interview führte Anne-Kathrin Richter, Projektleiterin von Clutch.

(Beitragsbild: Dropbox)

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