Skip to content

“Bei der digitalen Transformation ist Aktionismus fehl am Platz“

Clutch logoInterview mit Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland GmbH

Auf der CeBIT ist das magentafarbene Areal wie jedes Jahr nicht zu übersehen. Die Telekom begreift sich als „Digitalisierungs-Coach des Mittelstandes“. Wir haben mit Hagen Rickmann gesprochen, der seit zwei Jahren den Geschäftskundenbereich der Telekom Deutschland GmbH führt. Seiner Meinung nach wissen die meisten Unternehmen um die Wichtigkeit der Digitalisierung, die Umsetzung gestaltet sich jedoch oft schwierig. Im Interview verrät er Clutch, wie KMU die Digitalisierung angehen können und spricht über Best Practices.

Herr Rickmann, gefühlt kommen jede Woche neue Studien heraus, die das Voranschreiten des digitalen Wandels im Mittelstand jeweils unterschiedlich darstellen. Was ist Ihr persönlicher Eindruck – wie weit ist der deutsche Mittelstand in puncto Digitalisierung?

Der Mittelstand kommt gut voran. Es gibt im Moment viele Klagen über die Behäbigkeit des Mittelstands. Das ist übertrieben und nervt mich, weil es so nicht stimmt. Die Mittelständler kümmern sich viel stärker um die Digitalisierung, als man glaubt. Gewiss hat noch nicht jedes Unternehmen sein digitales Potenzial voll ausgeschöpft, aber viele wissen, dass der Geschäftserfolg künftig stark vom Digitalisierungsgrad abhängen wird. Sie wissen aber auch, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist. Heißt: Die Umstellung auf digitale Lösungen muss einen konkreten Benefit bringen. Dieser Benefit muss gar nicht unbedingt ein Umsatzplus sein, er kann auch ein Effizienzgewinn sein – also geringere Kosten, ein geringerer Arbeitsaufwand in einem bestimmten Bereich oder eine Serviceverbesserung für die Kunden. Tatsächlich fällt die digitale Dividende erfahrungsgemäß dort am besten aus, wo Firmen ihren Kunden durch Digitalisierung einen echten Mehrwert bieten können. In jedem Fall müssen sich mittelständische Unternehmen vor allem die Frage stellen, wo und wie sich Digitalisierung für sie auszahlt. Wer hierauf schnell eine Antwort findet und seine Projekte und Lösungen passend dazu auswählt, wird von der Digitalisierungswelle nach oben getragen werden beziehungsweise wird sie als Erfolgswelle wahrnehmen.

Können Sie uns anschauliche Beispiele geben für die gewinnträchtige Nutzung von Digitaltechniken im Mittelstand?

Wir haben bereits viele mittelständische Kunden unterschiedlichster Größenordnung bei ihren Digitalisierungsbestrebungen begleitet. Die Bäckereikette Lohner hat ihre 135 Filialen in drei Bundesländern auf IP-Technologie umgestellt – jetzt erfolgt die Abrechnung dank vernetzter Kassen direkt von der Zentrale aus. Die Backöfen sind ebenfalls mit der Zentrale vernetzt; sie können jetzt ferngewartet werden. Techniker werden also nur noch dann benötigt, wenn ein Teileaustausch erforderlich ist Ein anderes Beispiel ist das Kölner Start-up Color Digital. Das Unternehmen hat in Zusammenarbeit mit der Telekom eine Lösung entwickelt, mit der Unternehmen Farben eindeutig identifizieren und schnell untereinander austauschen können. Konsumenten verlangen beispielsweise in der Modewelt immer häufiger neue Kollektionen, Modefirmen arbeiten jedoch noch sehr analog, so dauert allein der Abstimmungsprozess für den richtigen Farbton Wochen. Color Digital revolutioniert die Abläufe mit einer digitalen Lösung, die mithilfe einer speziellen Analysetechnik jede Farbe unabhängig von Material und Medium einem eindeutigen und unverwechselbaren digitalen Wert zuordnet. Die Applikation hat das Start-up in unserer App Factory kreiert, einer Self-Service-Entwicklerplattform in der Private Telekom Cloud. Die Programmierer greifen in dieser Umgebung auf spezielle Tools zu, entwickeln, testen und betreiben cloudbasierte Apps fehlerreduziert und kostengünstig und das in kürzester Zeit.

Wie genau unterstützt die Telekom denn den Mittelstand im Hinblick auf den digitalen Wandel?

Zunächst einmal hat die Telekom ausgezeichnete Netze, außerdem bekommt man bei uns auf Wunsch Festnetz, Mobilfunk und Internet aus einer Hand. Als deutscher Anbieter von Cloud-Lösungen bieten wir den Unternehmen zudem Datensicherheit nach deutschem Recht. Hinzu kommt, dass wir mit international renommierten Partnern wie Cisco, Microsoft oder Salesforce kooperieren, die mit ihren Innovationen die Digitalisierung vorantreiben – wir haben also die Hand am Puls der Zeit. Aber: Die digitale Transformation muss mit Bedacht realisiert werden, Aktionismus ist fehl am Platze. Der Weg zur erfolgreichen Digitalisierung führt über eine klare Fokussierung auf das Nützliche, nicht auf das Mögliche. Mein Rat an die Unternehmen lautet daher: Konzentriert euch zunächst auf diejenigen Projekte, die schnelle Ergebnisse und einen raschen Return-on-Investment liefern. Damit lassen sich auch die Mitarbeiter mitreißen: Wenn die Belegschaft einen direkten Nutzen hinter den digitalen Neuerungen sieht und diesen auch nachvollziehen kann, ist sie viel eher bereit, die Veränderungen im Betrieb mitzutragen. Wir wollen die Unternehmen hier auch noch stärker als bisher unterstützen, denn wir verstehen uns gewissermaßen als „Digitalisierungs-Coach” des Mittelstandes. Wir werden also mit den Mittelständlern gemeinsam die Vielzahl an Möglichkeiten danach sondieren, was ihnen mehr Umsatz, mehr Produktivität, mehr Wettbewerbsfähigkeit oder bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter bringt. Und über allem thront natürlich unser Sicherheitsanspruch – dieser gilt für alle IT-Bereiche, das heißt für die Cloud, für das Internet der Dinge, für die Vernetzung … für einfach alles. Kurz gesagt: Ohne digitale Sicherheit kein digitaler Wandel!



Dieses Interview wurde im Rahmen des Deutschen Innovationsgipfels geführt, bei dem Clutch Medienpartner war. Der DEUTSCHE INNOVATIONSGIPFEL (DI) ist ein branchen-, fach- und technologieübergreifendes Entscheidertreffen zu allen Facetten der Digitalisierung. Dabei geht es um Know-how- und Ideenvermittlung sowie Best Practices in allen Unternehmensgrößen vom Start-up über den Mittelstand bis hin zu Global Brands. Der nächste Gipfel findet am 7. März 2018 in München statt.

Das Interview führte Anne-Kathrin Richter, Projektleiterin von Clutch.

+++

Aufgepasst: Clutch #2 kann übrigens hier bestellt werden. Erscheinungstermin unseres Printmagazins ist der 13. September 2017.

(Beitragsbild: Hagen Rickmann © 2017 Christian Wyrwa)

Be First to Comment

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.